Mittwoch, 25. Oktober 2017


Im winterlichen Hamburg des Jahres 1813, inmitten der französischen Besatzung, lebt die junge, aufgeschlossene Fanny bei ihrem Onkel. Doch als dieser stirbt, wird ihr ausgerechnet der unnahbare Georg von Alvesloh als Vormund vorgesetzt, was ihr so gar nicht passt, hat dieser sie doch schon einmal enttäuscht zurück gelassen. Als wäre dies aber nicht genug, ist sie sich sicher, dass von Alvesloh ein Geheimnis zu hüten scheint, welches mit dem arroganten Oberst Tettenborn zu tun hat.

Seit einiger Zeit hatte ich mich mal wieder auf eine Leserunde bei Lovelybooks beworben und gewonnen. Dazu wurde mir ein Leseexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich ganz herzlich beim bookspot Verlag und Bele Freudenberg bedanken möchte. Schon allein die Beschreibung des Titels hatte mich sehr angesprochen und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht.

Kommen wir als erstes zum Schreibstil. Dieser ist das, was mir an diesem Buch am besten gefallen hat, auch wenn ich mich erst einmal an die altertümliche Sprache gewöhnen musste. Bele Freudenberg schafft es jedoch mit einem wunderschönen, zum Setting und zur Zeit der Geschichte passenden Stil, ein Gefühl zu vermitteln, als würde man sich direkt im Hamburg Anfang des 19. Jahrhunderts befinden. Die Sprache ist zeitgemäß und gediegen, nicht aufgedreht oder gekünstelt.

Genauso ist auch die Geschichte geprägt von der Stimmung dieser Zeit. Selbst ich, als jemand, der eher selten bis gar nicht historische Romane liest, konnte mich recht schnell in die Handlung einfinden und hatte schon bald ein Gefühl für das, was in Hamburg und rund um Fanny und Alvesloh geschieht. Dabei mochte ich vor allem die Geschichte rund um die beiden, die langsamen Annäherungen, die ersten kleinen Zärtlichkeiten und die unschuldige Kindlichkeit mit welcher die Beziehung zwischen den beiden aufgebaut wird. Ein paar Probleme hatte ich hingegen mit dem ganzen politischen Hin und Her, mit den Kriegswirren und allem, was damit zu tun hatte. Mir war das alles ein bisschen zu viel, vor allem weil ich davon nicht viel verstehe. Dennoch konnte der Roman auch etwas Spannung aufbauen, da man bis kurz vorm Ende nicht weiß, was es wirklich mit der Bekanntschaft zwischen Tettenborn und Alvesloh auf sich hat. Zwar streut die Autorin immer wieder kleine Hinweise, diese ergeben aber erst am Schluss Sinn. Das Ende dann hat mir gut gefallen und mich zufrieden zurück gelassen. Trotzdem lässt es, wenn die Handlung auch abgeschlossen wirkt, noch Spielraum für mehr.

Auch überzeugen konnten mich die Charaktere, die hier kreiert wurden, allen voran die Protagonisten Fanny und Georg von Alvesloh. Gerade Fanny hat mich schon ganz bald an Jane Austens Elizabeth Bennet erinnert, doch auf ihre ganz eigene Weise. Sie ist für ihre Zeit aufgeschlossen, wissbegierig und lässt sich nicht so leicht an die Leine legen. Dennoch handelt sie an manchen Stellen dumm und unüberlegt, was aber nicht an ihr selbst liegt, sondern viel mehr daran, dass sie gar nicht die Aufklärung hat, um die Dinge richtig einschätzen zu können. Alles was sie will, ist unabhängig und hilfreich zu sein und eigene Schritte zu gehen. Dem gegenüber steht von Alvesloh, den ich zwar erst im Laufe der Handlung in mein Herz geschlossen habe, der aber Ehre im Leib hat und seine Aufgaben ernst nimmt, was auch Fanny, als sein Mündel, ganz schnell zu spüren bekommt. Zusammen ergänzen sich die beiden super gut, auch wenn sie sich das so bald nicht eingestehen wollen. Diesbezüglich gibt es viele Parallelen zu modernen Liebesgeschichten, in denen Unsicherheit und Kränkungen eine große Rolle spielen. Aber genug von den Protagonisten, denn es gibt auch den ein oder anderen Nebencharakter, der zu erwähnen wäre. Zum Beispiel gibt es da noch Fannys englische Gouvernante Tibby, die mit ihrem gebrochenen Deutsch und ihrer liebevollen Art gleich mein Herz erobern konnte oder Jakob, der spitzbübische, altkluge Botenjunge. Aber auch unsympathische Personen, wie Oberst Tettenborn, haben ihren überzeugenden Auftritt. Es gibt zwar ziemlich viele verschiedene Charaktere, aber diese waren alle sehr nachvollziehbar und gut geschrieben.

Für mich ist „Im Feuer der Freiheit“ ein wirklich guter und unterhaltsamer historischer Roman, mit einem brillanten Schreibstil und überzeugenden Charakteren, dem ein bisschen weniger Politik gut gestanden hätte, der mich aber trotzdem überzeugen konnte. Für Fans des Genres ist er auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Alle anderen sollten sich zumindest einmal daran versuchen, weil ich denke, dass er gut als Einstieg funktionieren könnte.