„Es tut mir leid. Es tut mir leid. Es tut mir leid.
Die sechsundzwanzigjährige Jule flüchtet nach einem heftigen Streit mit ihrem
Freund aus der gemeinsamen Wohnung. Niemals hätte geschehen dürfen, was
geschehen ist. Bei ihren Eltern will sie in Ruhe entscheiden, wie es
weitergehen soll. Dann trifft die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter ein, und
damit tun sich Abgründe auf. Warum hat Jules Mutter nie von ihr oder der
eigenen Kindheit erzählt? Als sie gemeinsam den Nachlass der Großmutter in dem
Haus am Waldrand ordnen, findet Jule Spuren lang zurückliegender Ereignisse,
die bis in die Gegenwart hinein ihre zerstörerische Macht entfalten.“
- Beschreibung des Verlags -
Ich muss wirklich sagen, dass ich selten ein so gutes Buch über häusliche Gewalt gelesen habe, wie dieses hier, denn in „Die Nacht der Bärin“ wird recht anschaulich und realistisch die Geschichte von einer Familie erzählt, durch welche sich dieses Thema über die Generationen hindurchzieht.
So lernt man einerseits Jule kennen, die zum ersten Mal mit der physischen Wut ihres Freundes konfrontiert wird und kurzerhand zu ihren Eltern flüchtet. Allerdings kommen mit der Nachricht über den Tod ihrer Großmutter langsam Dinge ans Licht, die ihren Blick auf ihre eigene Mutter noch einmal verändern. Gleichzeitig lernt man die beiden Schwestern Anna und Maja kennen, die eine sehr starke Bindung zueinander haben und die es immer wieder in den Wald zieht, bis Anna einen Jungen kennenlernt. Diese beiden werden ebenfalls mit häuslicher Gewalt konfrontiert, worunter auch die ältere Anna zu leiden hat. Vor allem aber die Mutter der beiden Mädchen wird immer wieder geschlagen, was von Maja, aus deren Sicht dieser Part der Geschichte erzählt wird, nicht unbemerkt bleibt. Beide Erzählstränge fand ich dabei von der Autorin absolut nachvollziehbar und bildlich geschrieben, allerdings ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Dennoch ging mir die Geschichte mit ihrer Härte insgesamt doch sehr ans Herz. Zudem hatte sie einige Überraschungen zu bieten und das auf nicht einmal dreihundert Seiten.
Ebenfalls fand ich die Charaktere super überzeugend geschrieben, wobei für mich nicht einmal unbedingt Jule im Mittelpunkt stand, da es Figuren gab, die um einiges tiefgründiger beschrieben wurden. So fand ich vor allem Anna super interessant. Sie ist eine Teenagerin, die viel Verantwortung für ihre kleine Schwester übernimmt, gleichzeitig aber auch versucht, sich nicht vom eigenen Vater unterkriegen zu lassen. Und dann ist da noch Maja, die viel mitbekommt, aber noch ein Stück weit zu unbedarft ist, um das Böse richtig einzuordnen und so sieht sie in Annas neuem Freund eine Bedrohung, was irgendwie ein Spiegel der eigentlichen Gefahr ist.
Alles in allem kann ich an diesem Buch nichts auszusetzen finden. Es ist nämlich wirklich super geschrieben, bildlich und realitätsnah. Zudem geht es sehr sachlich und gleichsam eingängig mit dem Thema häusliche Gewalt um, ohne zu sehr in andere Themen abzuschweifen. Und die Charaktere sind ebenfalls lebendig und nachvollziehbar geschrieben.




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