Posts mit dem Label emilia hart werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label emilia hart werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 27. November 2025

„Schwestern, getrennt durch Jahrhunderte. Stimmen, die nicht unterdrückt werden können
2019: Lucy erwacht aus einem Albtraum und findet ihre Hände an der Kehle ihres Ex. Entsetzt flieht sie zu ihrer Schwester Jess an die australische Küste, doch diese ist verschwunden. Während Lucy auf ihre Rückkehr wartet, erfährt sie von seltsamen Ereignissen in der Kleinstadt: Männer sind verschwunden, ein Baby wurde in einer Höhle gefunden, und Seeleute hören Frauenstimmen auf den Wellen.
1999: Jess ist eine einsame Sechzehnjährige in einer ländlichen Stadt in der Mitte des Kontinents. Mit einer seltenen Wasserallergie diagnostiziert, hat sie sich schon immer anders gefühlt, bis ihr junger, charmanter Kunstlehrer sich für ihre Zeichnungen interessiert.
1800: Die Zwillingsschwestern Mary und Eliza wurden von ihrem Vater in Irland getrennt und nach Australien verbannt. Auf der langen Reise beginnen sie, seltsame Veränderungen an sich zu bemerken und spüren, wie das Meer sie zu rufen scheint...“

- Beschreibung des Verlags -

Wieder einmal hat Emilia Hart hiermit einen super feministischen Roman geschrieben, der mir, obwohl ich eigentlich, was dieses Thema angeht, ziemlich zwiegespalten bin, echt gut gefallen hat. Schon die Idee fand ich dabei echt toll und interessant. Zudem wurde diese auch noch richtig schön und märchenhaft umgesetzt.

Dabei spielt die Geschichte auf drei verschiedenen Zeitebenen, wobei Lucys Geschichte aus neutraler Sicht erzählt wird, die von Jess anhand von Tagebucheinträgen und die der Zwillingsschwestern Mary und Eliza als Träume, die sowohl Lucy als auch Jess immer wieder haben. Mit der Zeit verschwimmen die drei verschiedenen Perspektiven allerdings und es kommen mehr und mehr mysteriöse Geheimnisse, wie zum Beispiel die verschwundenen Männer, ans Tageslicht, die alle vier Schicksale miteinander verbinden. Diesbezüglich gab es einige interessante Wendungen, mit denen ich nicht unbedingt gerechnet hätte. Allerdings gibt es auch verschiedene Dinge, die bereits am Anfang schon ziemlich vorhersehbar waren, bei denen ich aber nicht weiß, ob es nicht eventuell auch so gewollt war. Ansonsten fand ich die Geschichte echt spannend und emotional, der magische Realismus ist der Autorin gut gelungen und hat ihr eine wirklich tolle Atmosphäre gegeben. Ebenfalls fand ich schön, dass es hier zwar auch um missbräuchliche Männer geht, Männer im Allgemeinen aber nicht über einen Kamm geschert werden. Außerdem geht es in gewissem Maße um Familie, um Rache und auch viel ums Wasser und das Meer. 

Die Protagonistin war in diesem Buch für mich dabei Lucy, weil man von dieser am meisten mitbekommt und ich muss sagen, dass ich sie zwar nicht unbedingt ins Herz geschlossen habe, sie aber dennoch nachvollziehbar und besonders geschrieben fand. Genauso ist ihre Schwester Jess eine sehr außergewöhnliche und fast schon mysteriöse Figur, die einige Geheimnisse verbirgt. Und dann sind da natürlich noch Mary und Eliza, die ich anfangs sehr tragisch fand, die sich aber immer mehr verwandeln und am Ende sogar zu Heldinnen werden.

Alles in allem fand ich dieses Buch wirklich toll. Die Geschichte ist echt packend, märchenhaft und emotional, sodass ich es kaum aus der Hand legen konnte und die Charaktere fand ich, wenn auch nicht super sympathisch, dennoch wahnsinnig interessant und außergewöhnlich. 

Mittwoch, 29. Mai 2024

„KATE, 2019
Kate flieht aus London und lässt alles zurück – endlich hat sie die Kraft gefunden, den Mann zu verlassen, der ihr Leben kontrolliert. Sie findet Zuflucht im Weyward Cottage im Norden Englands, das sie von ihrer Großtante Violet geerbt hat. Dort stößt Kate aber auf verstörende Gerüchte und auf ein sorgsam gehütetes Geheimnis, das sie tief in die Geschichte ihrer Vorfahren führt, bis zurück in die Zeiten der Hexenjagd.

VIOLET, 1942
Violet liebt die Natur über alles. Sie sammelt weitaus lieber Insekten und klettert auf Bäume, als sich an die strengen Benimmregeln für junge Damen zu halten. Dann verändert die folgenschwere Begegnung mit einem Mann das Leben der jungen Frau für immer.

ALTHA, 1619
Altha ist der Hexerei angeklagt – sie soll einen Mann getötet haben. Bekannt für ihr abgeschiedenes Leben als unabhängige Frau und für ihre besondere Verbindung zu den Tieren ist sie eine Bedrohung, die beseitigt werden muss.

Drei Frauen kämpfen in drei verschiedenen Zeitaltern um ihre Unabhängigkeit – aber ihre Geschichten sind weitaus enger verwoben, als es anfangs scheint.“

- Beschreibung des Verlag-

Auf diesen Roman bin ich nur durch eine Empfehlung gekommen und ich muss sagen, ich habe es nicht bereut, ihn gekauft zu haben, denn obwohl er feministisch angehaucht ist, ist er dennoch sehr sensibel und zeigt anhand drei verschiedener Frauenschicksale, wie man dieses Thema auch ohne Männerhass und radikaler Ansichten, umsetzen kann. Dennoch war ich deshalb nicht immer derselben Meinung, wie die jeweiligen Erzählerinnen, was aber auch nicht schlimm ist.

Dabei begleitet man die drei Frauen immer im Wechsel und kann lesen, wie sie versuchen, auf ganz unterschiedliche Art und Weise, mit ihrem Schicksal umzugehen, ob es die Anklage zur Hexe ist, das Nichterfüllen des Rollenbilds der jungen Frau in den vierziger Jahren oder die Flucht vor einer toxischen Beziehung in der heutigen Zeit. Vor allem aber geht es um Gewalt an Frauen, Misshandlung, Vergewaltigung und Unterdrückung, wobei die Autorin aber auch kein Blatt vor den Mund genommen hat und einfach draufgehalten. Zwar werden damit ein typische Probleme der jeweiligen Zeit angesprochen, aber gerade das macht den Roman und eben diese Probleme so leicht zu verstehen und anschaulich. Ich habe jedenfalls mit allen drei Frauen mitgelitten und mich über jeden Fortschritt, jedes kleine Bisschen Freude und Hoffnung gefreut. Schön fand ich auch, dass sowohl Altha, Violet als auch Kate miteinander verbunden sind, genauso wie die Verbundenheit mit der Natur, die immer wieder eine große Rolle spielt und die Atmosphäre, welche die Autorin richtig gut eingefangen hat. 

Gleichermaßen mochte ich die drei Frauen selbst, deren Stärke, Wissbegierde und dass sie alle ihren Weg gehen, auch, wenn ihnen viele Steine in den Weg gelegt werden. Egal, ob sie abgelehnt werden, wie Violet, verrufen, wie Altha oder eingesperrt und misshandelt, wie Kate, alle drei kämpfen sich durch. Dennoch wurden sie auch recht individuell gezeichnet und jede von ihren hat ihre Eigenheiten. So wächst die selbstständige und unabhängige Altha allein bei ihrer Mutter auf, was zu ihrer Zeit eher ungewöhnlich ist. Violet ist mit ihren sechzehn Jahren ein Wildfang, tierlieb und wissbegierig, aber auch sehr unbedarft und unerfahren. Kate hingegen ist ein eher ruhiger Charakter, anfangs noch recht unsicher und muss erst wieder lernen, unabhängig zu sein. Eins haben aber alle drei gleich und das ist ihr Mut.  

Was ich an diesem Roman ebenfalls sehr interessant fand, war der Schreibstil, denn Emilia Hart hat für jede der drei Frauen eine andere Erzählperspektive gewählt, was anfangs sehr gewöhnungsbedürftig für mich war. Während Althas Kapitel nämlich aus der Ich-Perspektive im Präteritum geschrieben sind, gibt es bei Violets Kapiteln einen personellen Erzähler im Präteritum und bei Kates Kapiteln wiederum einen Ich-Erzähler im Präsens. Ansonsten ist der Schreibstil aber wirklich gut zu lesen, flüssig und bildlich. Außerdem hat es die Autorin geschafft, jeder Zeitebene ihren eigenen Charakter zu verleihen. 

Alles in allem mochte ich dieses Buch wirklich gern und die Geschichten der Frauen haben mich sehr berührt. Der feministische Ansatz ist auch gut gelungen, genauso wie die Charaktere. Ebenfalls fand ich den Schreibstil gut. Ich kann ihn also durchaus weiterempfehlen.