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Montag, 14. Oktober 2024

„Man nannte sie „yebit“ - das arabische Wort für jemand, der es nicht wert ist, einen Namen zu tragen. Sie schlief eingesperrt in einem Verschlag, sie arbeitete Tag und Nacht, sie wurde geschlagen und bekam keinen Pfennig Lohn. Und das Schlimmste: Sie durfte nicht einen Schritt nach draußen tun... Dies ist die Geschichte der jungen Nubafrau Mende Nazer, die nicht etwa vor 200 Jahren spielt, sondern heute, im 21. Jahrhundert. Mendes Geschichte ist durchaus kein Einzelfall. Und sie endet nicht im tiefen Afrika, sondern bei unseren Nachbarn in Europa: Denn am Tiefpunkt einer jahrelangen erniedrigenden Sklavenexistenz in Khartoum wird Mende nach England verschickt - als Sklavin der sudanesischen Botschafterfamilie in London...“

- Beschreibung Amazon -

Was hatte ich Angst vor diesem Buch, da das Thema echt nicht leicht ist und doch wollte ich es einmal lesen, sonst hätte ich es mir ja nicht gekauft. Jetzt endlich, nach wer weiß wie vielen Jahren auf dem Stapel ungelesener Bücher war es endlich dran und ich habe es nicht bereut, selbst, wenn mich Mendes Geschichte so oft fassungslos und wütend gemacht hat.

Mit einem super leichten und bildlichen Schreibstil hat Mende Nazer, zusammen mit ihrem Co-Autoren Damien Lewis, ihre Lebensgeschichte so packend und nachvollziehbar aufgeschrieben, dass sie mich extrem mitgerissen hat, angefangen von ihrer einfachen, aber liebevollen Kindheit in den Nubabergen, über ihre Verschleppung und Versklavung bis hin zum Kampf für Freiheit und anschließendes Asyl. 

Gerade auch die Einblicke in das Leben als Nuba und die vielen schönen Momente in ihrem Dorf haben mich sehr beeindruckt. Doch ebenso eindrücklich erzählt Mende auch von sehr erschreckenden Dingen, wie ihrer eigenen, grausamen Beschneidung, von sexuellem und körperlichem Missbrauch, von Ausnutzung, Angst und Schrecken. Trotzdem merkt man ihr keinerlei Verbitterung an, nur einen starken Willen, Mut und Kämpfergeist.

Alles in allem kann man persönliche Schicksale nicht beurteilen, aber man kann beurteilen, wie diese herübergebracht werden und das ist hier wirklich super gut und eindrücklich gelungen. Mendes Schicksal hat mich sehr berührt und gleichzeitig ist dieses Buch auch noch informativ und aufklärend. Und Mende ist eine super starke Frau.

Freitag, 1. März 2024

„Im Januar 2003 fand Anne Berests Mutter unter den Neujahrswünschen eine verstörende Postkarte mit nichts als den Namen ihrer vier Angehörigen, die in Auschwitz ermordet wurden; ohne Absender, ohne Unterschrift. Anne fragt nach und die Mutter erzählt ihr die tragische Geschichte der Familie Rabinovitch. Aber erst als ihre kleine Tochter in der Schule Antisemitismus erfährt, beschließt Anne, der Sache wirklich auf den Grund zu gehen. Mithilfe eines Privatdetektivs und eines Kriminologen recherchiert sie in alle erdenklichen Richtungen. Das Ergebnis ist dieser Ausnahmeroman. Er zeichnet nicht nur den ungewöhnlichen Weg der Familie nach, sondern fragt auch, ob es gelingen kann, in unserer Zeit als Jüdin ein „ganz normales“ Leben zu führen.“

- Beschreibung des Verlags -

Viele Bücher gibt es über den Nationalsozialismus und Antisemitismus und ich würde behaupten, dieses ist eines der richtig guten Exemplare, denn hier erzählt die Autorin mit einem grandiosen, niveauvollen Schreibstil über die Recherche zu ihrer eigenen Familie, ausgehend von den Urgroßeltern mütterlicherseits. Dabei kommen aber auch alle anderen wichtigen Figuren nicht zu kurz, die in irgendeiner Weise mit der Familie zu tun hatten. 

Schön finde ich hieran, dass die Autorin immer wieder Bezug auf die Recherchen ihrer Mutter, einer recht kauzig wirkenden, Kette rauchenden, älteren Dame, nimmt. Sie kann ihr bereits einiges über ihre Angehörigen erzählen und so bekommt man dadurch bereits die Anfänge der Familie Rabinovitch, ihr Leben und Sterben auf ausführliche Weise erzählt. Aber auch ihre eigenen Recherchen im Laufe der Geschichte sind sehr aufschlussreich. Was dabei herauskommt, ist oftmals grausam und verstörend, aber leider bittere Realität. Andererseits erzählt sie aber auch von schönen Momenten, von einer liebevollen Familie und auch über das Leben ihrer Großmutter, nachdem alle anderen ihr Ende gefunden hatten. Ebenfalls habe ich bewundert, wie die Autorin selbst damit umgeht, Jüdin zu sein, dass sie nicht verbittert wirkt, sondern eher immer wieder hinterfragt und ihre ganze Kraft dahinein legt, den Verfasser der Postkarte zu finden. 

Das Einzige, was an diesem Roman etwas schwierig für mich war, war die extreme Liebe zum Detail und dass er sich dadurch teilweise etwas gezogen hat. Manches hätte sicher kürzer erzählt werden können und auch die vielen Namen und verschiedenen Figuren waren nicht ganz so leicht auseinanderzuhalten. Trotzdem denke ich, dass dies alles auch so sein musste.

Letztendlich bekommt man hier einen sehr gut geschriebenen, autobiografischen Roman über eine jüdische Familie in Zeiten des Nationalsozialismus und auch noch darüber hinaus. Dieser beschönigt nichts und bleibt sachlich. Zudem wurde er von Simone Kabst richtig toll als Hörbuch vertont.