Posts mit dem Label coming-of-age werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label coming-of-age werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 26. August 2025

„Ein tragischer Unfall verändert von einer Sekunde auf die andere Morgans Leben und entlarvt, dass ihr bisheriges Leben auf Lügen basierte. Gleichzeitig entgleitet ihr ihre Tochter Clara immer mehr: Sie trifft sich heimlich mit einem Jungen, von dem sie weiß, dass ihre Mutter ihn nicht an ihrer Seite sehen möchte. Halt findet Morgan in dieser schweren Zeit ausgerechnet bei dem einen Menschen, bei dem sie keinen Trost suchen sollte ...“

- Beschreibung des Verlags -

Wieder einmal wurde ein Buch von Colleen Hoover verfilmt, welches ich bis dato noch nicht gelesen hatte, weshalb ich das schnell noch vor Erscheinen des Filmes nachgeholt habe und das Erste, was mir zu diesem Buch einfällt, ist, dass es gleichzeitig dramatisch und zuckersüß ist.

Die Geschichte wird dabei aus zwei Perspektiven erzählt, nämlich einmal aus der der vierunddreißigjährigen Morgan, die nach einem plötzlichen Verlust auch noch mit einer wirklich fiesen Offenbarung klarkommen muss. Gleichzeitig kommt sie einem Mann immer näher, dem sie vielleicht nicht so nahe kommen sollte. 

Auf der anderen Seite ist da Morgans sechzehnjährige Tochter Clara, welche denselben Verlust durchstehen muss, das in einer Phase, wo sich sowieso schon alles ändert. Hier spielen viele verschiedene Themen eine Rolle, unter anderem natürlich der Verlust selbst, aber auch die erste Liebe, die Probleme, die mit der Pubertät auf Mütter und ihre Töchter zukommen sowie Schuldgefühle und Zweifel. Besonders hat mir dabei die Beziehung zwischen Clara und ihrem Freund Miller gefallen, weil sie einfach super süß miteinander umgehen, selbst, wenn sie sich mal streiten. Sämtliche Szenen zwischen den beiden fand ich einfach nur großartig und habe sie wahnsinnig genossen. Aber auch Morgans Part fand ich wirklich schön, wenn auch nicht ganz so spannend, wie den von Clara, weil ihre Geschichte nicht wahnsinnig besonders war, aber trotzdem echt schön. Zudem fand ich die Beziehung zwischen Morgan und Clara sehr interessant und realistisch gezeichnet, die Streitereien, die langsame Absondern Claras und auch das ganze Gefühlschaos. Die Geschichte ist jedenfalls insgesamt einerseits tragisch, weil sowohl Morgan als auch Clara einiges durchmachen müssen, andererseits aber auch so oft super süß, mit richtig tollen, herzerwärmenden Szenen. 

Auch die Charaktere mochte ich hier sehr, denn diese sind sehr lebendig geschrieben und auch, wenn mich Claras Verhalten manchmal echt genervt hat, so war dieses für ein junges Mädchen mitten in der Pubertät einfach normal, zumal sie auch noch einiges durchzustehen hat. Ebenso mochte ich Morgan wirklich gern und konnte ihre Verzweiflung über die aktuelle Situation in ihrem Leben als auch den Problemen mit Clara absolut nachvollziehen. Ebenfalls fand ich Miller und Jonah super toll. Miller, weil er so viel Geduld mit Clara hat, scheinbar immer genau das Richtige tut und super witzig ist. Jonah, weil er für Morgan da ist, sich gleichzeitig aber auch zurücknimmt, obwohl er in sie verliebt ist.

Alles in allem war dieser Roman wieder einmal ein typischer Hoover, wenn man hier auch gleich zwei Liebesgeschichten in einem bekommt und gleichzeitig auch noch eine Coming-of-Age Geschichte. Dieser war super gut und flüssig geschrieben, emotional und, wie schon öfter erwähnt, zuckersüß. Jetzt freue ich mich jedenfalls auf den Film und hoffe, dass dieser gut umgesetzt wurde.

Samstag, 9. August 2025

„Nach einem unfassbaren Verlust hat Sam sich fest vorgenommen, nie wieder zu lieben. Im Krankenhaus lernt Sam Neo kennen, einen todkranken, schlecht gelaunten Jungen, der eigentlich nur schreiben möchte, Sony, ein Mädchen mit nur einem Lungenflügel, Coeur, einen sanften Riesen mit einem versagenden Herzen. Gemeinsam versuchen sie, sich zurückzuholen, was die Krankheiten ihnen genommen haben, zu erleben, was sie nicht wie andere Jugendliche erleben dürfen. Die Freundschaft hält sie zusammen, und doch haben sie die Endlichkeit stets vor Augen. Als Hikari neu auf die Station kommt, verändert sich alles: Sam erkennt in Hikari die Seele einer alten Liebe wieder und der Frieden gerät ins Wanken …“

- Beschreibung des Verlags -

Oje, das war mal eine holperige Reise durch eine eigentlich gut gemeinte, emotionale Geschichte über Freundschaft, Tod und Hoffnung, die niemals stirbt. Denn leider konnte mich diese, gerade noch am Anfang, lange Zeit nicht wirklich für sich einnehmen.

Das lag vor allem an dem zwar einerseits wunderschönen, sehr poetischen Schreibstil, dem dafür aber die Bildhaftigkeit absolut verloren gegangen ist. So ist es mir wahnsinnig schwergefallen, mir ein Bild vom Setting und den Charakteren zu machen. Gleichzeitig war die Geschichte dadurch sehr unübersichtlich und verwirrend. Manchmal ist weniger halt doch mehr. Andererseits hat sich die Geschichte zwischendurch immer mal wieder gezogen, was wohl auch daran lag, dass sie echt verwirrend war und ich deshalb öfters mal den Faden verloren habe. Dennoch war die Geschichte sehr emotional, voller Abenteuer vierer Jugendlichen, die dem Tode geweiht sind, sich davon aber nicht unterkriegen lassen wollen. Ebenso fand ich die Idee des neutralen Erzählers sehr interessant, doch teilweise auch etwas verwirrend. Erst am Ende erfährt man nämlich, worum, beziehungsweise um wen, es sich bei Sam tatsächlich handelt. Bis dahin ist gerade seine/ihre Figur aber sehr undurchsichtig. 

Die anderen Charaktere waren aber allesamt wirklich gut geschrieben. Ich mochte vor allem die lebhafte, aufgeschlossene Sony sehr. Sie ist sozusagen die Anführerin der Clique, weil sie aber auch eine Führungsnatur besitzt, immer die richtigen Worte auf den Lippen und trotz fehlendem Lungenflügel nicht zu stoppen. Das komplette Gegenteil ist der mürrische, aber sehr poetische Neo, der unter seinem strengen Vater und an Magersucht leidet. Coeur ist ein großer, eigentlich starker Junge mit einem sehr lieben, wenn auch kaputten Herzen. Er ist der Ruhepol der Clique. Zu diesem Team kommt Hikari, bei welcher nie wirklich erwähnt wird, an welcher Krankheit sie leidet. Doch nach und nach erfährt man, was mit ihr los ist und vor allem kommt es zwischen ihr und Sam zu einer Art Liebesgeschichte.

Alles in allem hätte dieses Buch super werden können, doch leider hat sich die Autorin mit ihrem zu gewollt poetischen Schreibstil selbst manipuliert und damit für zu viel Verwirrung gesorgt. Und dennoch hat mich die Geschichte letztendlich nicht in Ruhe gelassen und ich musste sie einfach zu Ende hören, zumal sie auch gut vertont wurde. 

Montag, 23. Juni 2025

„Nächstes Jahr fahren wir ans Meer, sagt Beatrices Vater an zu heißen Sommerabenden jedes Jahr lächelnd. Ein Versprechen, das sich nie erfüllt, aber die Familie trotzdem glücklich macht. Im Stockwerk darüber jedoch wird Alfredo, Beatrices bester Freund, von seinem besoffenen Vater mal wieder halb totgeprügelt. So wie viele in der »Festung«, jenem Viertel in den Hügeln der Stadt, in das kein Taxi fährt, kein Polizist freiwillig einen Fuß setzt, hat Alfredo schon verloren, bevor sein Leben richtig beginnen kann. Als Kinder hat man Beatrice und Alfredo »die Zwillinge« genannt, später wurde aus der Freundschaft Liebe. Eine harte Liebe, ohne Romantik und Liebesgeflüster, und mit einem jähen Ende ...“

- Beschreibung Amazon -

Oft habe ich von diesem Buch noch nicht gehört, doch was ich gehört habe, war nur Gutes. Deshalb bin ich auch wirklich traurig, dass es mich nicht so sehr begeistern konnte, wie ich es erhofft hatte. 

Die Geschichte an sich ist im Grunde echt interessant und hätte viel Potenzial gehabt, um emotional von der Freundschaft zwischen Bea und Alfredo zu erzählen. Auch das heruntergekommene und trostlose Setting hat dafür wirklich viel hergegeben. Doch leider konnte mich weder der Schreibstil noch die Geschichte selbst richtig packen. Die Autorin erzählt hier nämlich recht sachlich und ohne viel emotionalem Tiefgang von Beatrice und Alfredo, die in einer Art Ghetto im Italien der siebziger und achtziger Jahre groß werden und eigentlich von vornherein keine Chance im Leben haben. Dabei entwickelt sich zwischen den beiden erst eine tiefe Freundschaft und später auch Liebe, wobei beides aber nicht so richtig rüberkam. Vielmehr wirkt alles eher toxisch und der Umgang der beiden miteinander schwankt zwischen besitzergreifend, genervt voneinander und bösartig. Genauso gab es nicht wirklich viel Interaktion zwischen den beiden. Zwar verstehe ich, dass dies alles, ebenso der rotzige Umgangston von Bea und Alfredo, ihr ebenso unwirtliches, trostloses Leben widerspiegeln soll, doch dadurch gingen eben die Emotionen fast komplett verloren. Selbst das Ende, welches wirklich dramatisch war und sehr traurig, konnte mich genau deshalb nicht mehr schocken oder gar mitnehmen.

Die Charaktere konnte ich in Teilen leider auch nicht richtig greifen. Gerade Alfredo konnte mein Herz so gar nicht berühren. Für mich blieb er sehr oberflächlich und nicht wirklich sympathisch. Ebenso lernt man auch die meisten anderen Nebencharaktere nie richtig kennen, außer vielleicht Beas beste Freundin Arianna. Zudem fand ich schön, dass man zumindest erfährt, wie Beas Eltern, welche diese schon in sehr jungen Jahren bekommen haben, in La Fortezza gelandet sind. Am besten lernt man Beatrice kennen, ihre Gedanken und Gefühle, womit sie am besten greifbar ist, aber dennoch nicht die sympathischste Protagonistin. Das ist allerdings auch kein Wunder, da die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt wird.

Alles in allem war das Buch nicht wirklich schlecht, aber eben enttäuschenderweise auch nicht gut. Es konnte mich nicht packen und emotional auch nicht berühren. Dennoch war die Geschichte interessant und wirkte sehr lebensnah. Überzeugt bin ich aber trotzdem nicht. 

Montag, 26. Mai 2025

„Charlotte ist zerbrochen. Mit nur siebzehn Jahren hat sie mehr verloren, als die meisten Menschen im Leben. Mehr als ein Mensch ertragen kann. Aber sie hat gelernt, wie man vergisst. Wie man seinen Körper gefühllos gegen Schmerz macht. Jede neue Narbe macht Charlottes Herz ein wenig härter, doch irgendwann begreift sie, dass sie mehr ist, als die Summe ihrer Verluste – und beginnt zu kämpfen!“

- Beschreibung des Verlags -

Was für ein krasses und authentisches Buch! Selten habe ich eines gelesen, beziehungsweise gehört, welches sich so sehr mit psychischen Erkrankungen beschäftigt, wie dieses und dazu noch auf eine eindrückliche und realistische Art.

Charlottes Geschichte spiegelt so gut wider, wie es Menschen mit Borderline, Depressionen und so weiter ergeht, wobei natürlich keine Geschichte wie die andere ist. Jeder geht anders mit seiner Erkrankung um und doch gibt es auch viele Symptome, die vermehrt auftreten. Dabei ist Charlotte nur ein Beispiel für viele. Sie steht für das schlechte Gesundheitssystem, welches psychisch Erkrankte noch viel zu oft im Regen stehen lässt, für die innere Zerrissenheit, für falsche Hoffnungen und der Suche nach Liebe und Anerkennung, auch, wenn diese in eine toxische Beziehung führt. Ebenso steht sie für den Drang zur Selbstzerstörung und den täglichen Kampf für ein normales, geregeltes Leben. Für gesunde Menschen mag Charlottes Verhalten dabei vielleicht etwas unrealistisch und unverständlich wirken, doch genau so funktionieren eben Menschen, mal mehr, mal weniger, die psychische Probleme haben. Dazu kommt, dass die Protagonistin in ihren jungen Jahren bereits einiges erlebt hat und auch im Laufe der Handlung noch einiges durchmachen muss.

Überhaupt konnte ich mich hier super gut in Charlotte hineinfühlen. Sie wurde wahnsinnig lebendig geschrieben, mit all ihren Unzulänglichkeiten, aber auch versteckten Stärken. Gleichzeitig merkt man, dass sie sich ihren Problemen nicht ergeben will und kämpft, wobei sie oftmals auch über ihren Schatten springen muss und sich dadurch weiterentwickelt. Allerdings braucht sie dafür auch einiges an Unterstützung, die ausgerechnet von Menschen kommt, von denen man es vielleicht nicht unbedingt denken würde.

Insgesamt kann ich sagen, dass ich ohne jegliche Erwartungen an dieses Buch herangegangen bin und umso positiver davon überrascht wurde. Charlottes Geschichte hat mich nämlich wahnsinnig berührt und ich wollte gar nicht mehr aufhören, das Hörbuch zu hören, zumal dieses auch noch großartig vertont wurde.

Donnerstag, 3. Februar 2022


„Shuggie ist anders, zart, fantasievoll und feminin, und das ausgerechnet in der Tristesse und Armut einer Arbeiterfamilie im Glasgow der 80er-Jahre, mit einem Vater, der virile Potenz über alles stellt. Shuggies Herz gehört der Mutter, Agnes, die ihn versteht und der grauen Welt energisch ihre Schönheit entgegensetzt, Haltung mit makellosem Make-up, strahlend weißen Kunstzähnen und glamouröser Kleidung zeigt – und doch Trost immer mehr im Alkohol sucht. Sie zu retten ist Shuggies Mission, eine Aufgabe, die er mit absoluter Hingabe und unerschütterlicher Liebe Jahr um Jahr erfüllt, bis er schließlich daran scheitern muss.“

- Beschreibung des Verlags -

Ein hochgelobter Roman, der scheinbar bereits in vielen Regalen steht und viel geliebt wird. Was blieb mir da anderes übrig, als ihn selbst auch zumindest zu hören? Vor allem, weil mich das Thema so sehr angesprochen hat. Gut, perfekt ist er nicht, aber sowohl thematisch, als auch emotional eine absolute Achterbahnfahrt und ich habe ihn wirklich gern gehört. Mehr dazu aber jetzt.

Der Schreibstil des Autoren ist mal etwas anderes. Er schreibt nämlich nicht nur locker und leicht, sondern auch sehr umgangssprachlich, was gerade, wenn man den Roman als Hörbuch hört und das mit diesem tollen Sprecher, eine absolute Freude ist. Dabei wird der Dreck und die Hoffnungslosigkeit des Settings gerade durch die recht derbe Sprache erst so richtig unterstrichen. Was mir aber hieran am meisten gefallen hat ist, dass der Autor nicht tief bedrückend und gefühlsduselig schreibt, sondern sehr klar und sachlich und oftmals auch mit sehr viel trockenem Humor, welcher in sehr kreativen und echt witzigen Dialogen zum Vorschein kommt.

Was die Handlung angeht, so hatte ich anfangs ein paar Probleme, hinein zu finden, musste diese sogar nach wenigen Minuten noch einmal von vorn beginnen. Das lag aber nicht an der Geschichte selbst, sondern an dem recht komischen Aufbau. So lernt man gleich am Anfang den bereits erwachsenen Shuggie kennen, wobei mir nicht so richtig klar geworden ist, was uns Lesern dieser kurze Teil eigentlich sagen soll, da ich ihn dadurch nun nicht unbedingt besser kennengelernt habe. Dann springt die Handlung plötzlich zu Shuggies Jugendalter, wo erzählt wird, dass er sich in einer Art Herberge, welche auf mich schon fast wie ein Bordell wirkte, eingemietet hat. Erst dann kommen wir an den tatsächlichen Anfang der Geschichte. Es sind die achtziger Jahre in Glasgow, Shuggie ist fünf Jahre alt und noch eher eine Randfigur. Viel mehr geht es hier um die gesamte Familie Bain, eine Familie bestehend aus der alkoholkranken Mutter Agnes, ihrem untreuen und harschen Ehemann Shug und den insgesamt drei Kindern. Diese leben in der kleinen Plattenbauwohnung von Agnes Eltern in ärmlichen Verhältnissen, wo das wöchentliche Kartenspiel und das Bestellen auf Pump im neuen Katalog die größten Höhepunkte im Leben sind. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem Agnes, ihre Alkoholsucht und der tägliche Kampf, dennoch ein möglichst normales Leben zu führen. Es geht aber auch um die Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder untereinander, um die Liebe zwischen der Mutter und ihrem jüngsten Sohn, aber auch um die gegenseitige Abhängigkeit. So zieht sich die Geschichte durch mehrere Jahre, manchmal tief emotional, dramatisch und verstörend, manchmal aber auch hoffnungsvoll und voller Humor und dennoch merkt man irgendwie die ganze Zeit, dass diese ganze Geschichte nicht gut ausgehen kann. Und während die Geschichte von Jahr zu Jahr und Ort zu Ort weiter erzählt wird, bekommt auch Shuggie immer mehr Spielraum. Er rückt näher und näher in den Mittelpunkt und macht ihn dann, wenn die beiden größeren Geschwister ausgezogen sind, zumindest zu einem wichtigen Hauptcharakter, auch wenn die wahre Protagonistin in diesem Buch für mich Agnes blieb. Und hier liegt auch mein größter Kritikpunkt und gleichzeitig mein größtes Lob, denn genau so sieht es aus im Leben mit einem Alkoholiker. Dieser ist und bleibt die Hauptfigur, der Mensch, um den sich alles dreht. Da bleibt kein Platz für die Kinder, für Verantwortung. Und trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass noch mehr auf Shuggie eingegangen worden wäre, schließlich ist er auch der Namensgeber für den Roman.

Und damit wären wir auch schon bei den einzelnen Charakteren, wobei ich einfach nicht so richtig weiß, wie ich sie beschreiben soll. Aber genau das macht diesen Roman auch aus. Die Charaktere sind meiner Meinung nach perfekt inszeniert, gleichzeitig aber auch nicht so richtig greifbar. Agnes ist eine so stolze Frau, nach außen immer gepflegt, adrett gekleidet und doch ein absolutes Frack. Dennoch merkt man zwischen den Zeilen auch immer wieder, dass sie ihre Kinder liebt und eigentlich auch stärker sein will, als sie tatsächlich ist. Vielmehr ist sie eine sehr willensschwache Frau, was eine Szene im Buch erst so richtig zum Ausdruck bringt, als sie für einen Mann zum Alkohol greift. Mehr will ich hierzu aber nicht verraten. Dann ist da natürlich Shuggie, ein kleiner, ruhiger Junge, der anders ist als all die anderen Jungen in seinem Alter, künstlerisch begabt und bedacht auf die kleinen Dinge im Leben. Ein Träumer halt. Er liebt seine Mutter so sehr und muss doch immer wieder sehen, wie sie scheitert und dabei hat er es selbst nicht leicht, muss zwischen all dem Drama in seiner Familie seine eigene Identität finden und steht irgendwie die ganze Zeit allein da. Und auch die Nebenfiguren fand ich hier mehr oder weniger wichtig, wobei mir direkt Agnes Ehemann Shug im Gedächtnis geblieben ist. Er ist eine unangenehme und wenig liebenswerte Figur, beinahe schon ein Narzisst, was es für Agnes und Shuggie natürlich auch nicht leichter macht. Aber es kommt noch schlimmer, als Agnes einen anderen Mann kennenlernt, einen Mann der anfangs noch scheinbar ihr Leben verändert und durch seine absolut fehlende Sensibilität alles kaputt macht. Hieran sieht man dann besonders, dass schon die Auswahl ihrer Männer für Agnes Unsicherheit steht. Außerdem sind da noch ihre Eltern, welche ich einfach herrlich fand. Allerdings ihren Vater noch mehr als die Mutter. Er meint es scheinbar gut mit ihr, ist aber leider auch kein Vorbild, dennoch geben ihr ihre Eltern doch noch ein Stück weit einen gewissen Halt.

Alles in allem merkt man sicher schon an meiner dieses Mal doch sehr langen Rezension, dass mich dieser Roman sehr bewegt hat, dass er mich zum Nachdenken gebracht hat und dass ich mich auch mit den Charakteren viel beschäftigt habe, weil sie und ihr Schicksal mir einfach nicht aus dem Kopf gehen wollten. Die Geschichte von Shuggie ist dabei so sehr aus der Realität gegriffen und fühlt sich auch so sehr realistisch an, dass sie mich wirklich erschüttert hat. Und sicher ist Shuggies Geschichte, auch wenn es ihn so nie gegeben hat, nur eine von vielen, die tatsächlich sehr real sind und das macht mich extrem traurig. 

Samstag, 21. Dezember 2019


Als Charlie Lewis vor der Entscheidung steht, ob er seine erste große Liebe Fran wiedersehen will, erinnert er sich an diesen einen prägenden Sommer nach den letzten Prüfungen. Den Sommer, in dem er sie das erste Mal traf, sich Hals über Kopf in sie verliebte und in dem er vom Jungen zum Mann wurde.

Dieses Buch habe ich von der Plattform Vorablesen als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Ein großes Dankeschön dafür.

Der neue Roman von David Nicholls ist eine Wucht. Er ist keiner dieser Romane, die sich einfach mal schnell weg lesen lassen, aber dafür auch einer, dessen Geschichte in Erinnerung bleibt und doch hat sie sich meiner Meinung nach hier und da ein bisschen zu sehr gezogen. 

Was bei diesem Buch gleich auffällt, ist der grandiose, sprachgewaltige Schreibstil. Dieser ist einerseits sehr beschreibend und poetisch, andererseits aber dennoch leicht, wenn auch nicht sehr schnell, zu lesen. Und obwohl die Geschichte, bis auf wenige Szenen, eher ruhig ist, wurde sie dennoch so packend geschrieben, dass sie mich auf gewisse Weise in ihren Bann ziehen konnte.

Ansonsten ist auch der Aufbau der Handlung recht interessant. So bekommt man die Erlebnisse des jungen Protagonisten von vor zwanzig Jahren aus heutiger Sicht erzählt, wobei aber das Heute gar keine große Rolle spielt. Vielmehr steht die Liebesgeschichte zwischen ihm und Fran, die sich eher gemächlich entwickelt, im Mittelpunkt und selbst das nur zu einem relativ kleinen Teil. Denn im Grunde erlebt man diesen einen Sommer 1997 in seinen ganzen Einzelheiten. Es geht um Charlies Gefühle, Familie, Freunde und Liebe, um den Schulabschluss und eine Theateraufführung und vor allem geht es um seine ganz persönliche Entwicklung vom Jungen zum Mann. Unterstrichen wird dies alles durch Musik und durch die tollen, bildlichen Beschreibungen des Autors. Dabei wird er zwar emotional, aber nicht zu sentimental, es gibt weder übertriebene Romantik, noch wahnsinnig anrührende Momente. Und doch wusste die Geschichte, sich in mein Herz zu graben und ich fand sie auf ihre Weise sehr interessant und unterhaltsam. Allerdings gab es auch ein Manko, denn manchmal hat der Autor ein kleines bisschen über die Strenge geschlagen, wodurch es hier und da ein paar Längen gibt.

Auch die Charaktere mochte ich von der Art her, wie sie geschrieben wurden. Nein, sie waren mir nicht alle wahnsinnig sympathisch und doch, Nicholls hat es geschafft, sie lebendig werden zu lassen und mir näher zu bringen. Gerade Charlie, der eigentlich ein Niemand ist, weder ein Verlierer, noch ein Gewinner, der nicht hübsch ist und auch nicht hässlich, wird mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben, weil er einfach eindrucksvoll beschrieben wurde.

Schlussendlich kann ich nur sagen, dass „Sweet Sorrow“ kein romantischer Liebesroman ist, sondern die Geschichte eines Sommers, in dem ein Junge die erste Liebe kennenlernt und erwachsen wird. Diese hat der Autor auf eine ruhige, tiefgründige und einprägsame Weise umgesetzt, die auf jeden Fall zu unterhalten weiß, aber auch die Geduld des Lesers fordert.

Montag, 6. Mai 2019


Als James an die elitäre Fullbrook Academy kommt, muss er schnell feststellen, dass dort besondere Regeln gelten. Während die Jungs in ihren Sportteams gefördert werden und in ihrer Freizeit über ihr liebstes Thema reden, nämlich Mädchen, werden nicht nur diese jeden Tag aufs Neue mit Sexismus und Diskriminierung konfrontiert. Dagegen hat aber Außenseiterin Jules so einiges einzuwenden, womit die mutige Rebellin allerdings auf einsamen Posten steht, gilt es doch für alle anderen, das Ansehen der Schule zu wahren. Langsam entwickelt sich eine Freundschaft zwischen Jules und James und als es auf einer Party zu Übergriffen kommt, halten die beiden zusammen und stellen sich gegen das System.

Als ich die Leseprobe zu diesem Roman gesehen habe, war mir klar, dass ich ihn unbedingt lesen muss, denn das Thema klang außerordentlich spannend und interessant und so habe ich mich für die Leserunde bei der Lesejury beworben. In diesem Sinne ein ganz großes Dankeschön an den Bastei Lübbe Verlag, dass ich mit ein paar anderen lieben Menschen dieses Buch vorab lesen durfte. Schade nur, dass mich die Umsetzung des Stoffes dann doch eher ernüchtert zurück gelassen hat. 

Angefangen beim Schreibstil. Dieser ist auf keinen Fall schlecht, hat aber meiner Meinung nach nichts für diesen Roman getan, weil er einfach nicht zum Thema passt. Viel zu ruhig und blumig schweift Brendan Kiely zu oft ab und verliert dabei so einige Male das eigentlich Wichtige zu betonen und Spannung aufzubauen. Dadurch wurde das Lesen leider sehr anstrengend und schleppend.

Die Handlung in diesem Buch leidet dementsprechend auch ein bisschen. Obwohl das, um was es hier hauptsächlich geht, sehr interessant, aktuell und wichtig ist, kam es nicht so zum Ausdruck, wie es gekonnt hätte. Im Gegenteil hatte die ganze Geschichte nur sehr wenige Spannungsmomente und wurde dafür oftmals zu sehr in die Länge gezogen, was vor allem den sehr philosophischen und irgendwie nicht passen wollenden Gesprächen zu schulden war. Allerdings muss ich ihr aber zu Gute halten, dass mir die ganze Freundschaftssache zwischen James, Jules und ein paar wenigen mehr, sehr gut gefallen hat und ich die Chemie zwischen ihnen durchaus gelungen fand. Außerdem gibt es ein paar Szenen, die ich wirklich mochte und die teilweise sogar durchaus etwas ungewollt Komisches hatten. Bis zum Ende hin hat sich die Spannung außerdem auch ein kleines Wenig gesteigert und es gab dann doch noch ein Ende, welches es in sich hatte, wenn es sicherlich auch nicht jeden zufrieden stellen wird. Allerdings fand ich gerade das wieder passend zur restlichen Geschichte und irgendwie realistisch.

Was die Charaktere angeht, so sind diese sicherlich nicht typisch für einen Roman in diesem Setting, wenn man von den ganzen Nebencharakteren absieht, die genau so sind, wie man sie sich vorstellt. Dabei mochte ich James allerdings ein ganzes Stück mehr als Jules. Er ist nämlich mal kein Bad Boy, sondern eher ein Außenseiter und dabei noch wirklich liebenswert, weil er sich Gedanken über das Leben macht und kein Mitläufer ist. Jules hingegen ist zwar auch eine Außenseiterin, hat sich diesen Posten aber reichlich verdient und das nicht, weil sie für ihre Sache eintritt, sondern vielmehr, weil sie wirklich ein bisschen anstrengend ist und sich oft selbst in Situationen bringt, die nicht sein müssten. Dennoch mochte ich ihre Stärke und dass sie für ihre Meinung einsteht. 

Am Ende ist Elite für mich leider nur ein zu langsam erzählter Roman, der versucht, sich gegen Sexismus auszusprechen, dabei aber zu oft in übertriebene philosophische Gespräche und zu sehr in die Länge gezogene Handlungen ohne jede Spannung abrutscht. Dennoch war er auch auf seine Weise irgendwie lesenswert, aber eben nur mit viel Geduld. 

Donnerstag, 15. Februar 2018


Es ist das frühe neunzehnte Jahrhundert, als das Bauernmädchen Mary von ihren nicht sehr liebevollen Eltern zum Dorfpfarrer geschickt wird, um sich dort um dessen kranke Frau zu kümmern. Diese schließt das schwer arbeitende, ehrliche Mädchen sofort in ihr Herz. Als die Frau des Pfarrers jedoch stirbt, bleibt Mary mit dem Pfarrer allein und es ändert sich alles. Im ersten Moment ist der Schreibstil in diesem Buch etwas gewöhnungsbedürftig, denn dieser ist sehr simpel und ohne jede wörtliche Rede geschrieben. Umso weiter man allerdings in die Geschichte eintaucht, desto mehr wird klar, wie gut dieser Schreibstil zum Roman passt. Denn hier erzählt Mary, die keinerlei Bildung hat, ihre eigene Geschichte in ihren eigenen, einfachen Worten. Er ist also im Nachhinein betrachtet, einfach perfekt.

Die Handlung beginnt eher ruhig und wird auch bis zum Ende nicht sonderlich spannend. Dafür ist sie aber sehr sensibel und richtig packend geschrieben. Obwohl anfangs nicht viel passierte, konnte ich nicht aufhören zu lesen, denn Marys Erlebnisse haben mich einfach mitgerissen und ich wollte unbedingt wissen, wie es mit ihr weiter geht. Dennoch muss ich sagen, dass die Geschichte sehr vorhersehbar ist. Nachdem man den Klappentext des Buches gelesen hat, kann man sich das Ende schon denken und so kam es dann auch. Trotzdem gab es doch noch eine kleine Überraschung, die mich tatsächlich zerstört und mit einem schweren Herzen zurückgelassen hat. Außerdem mochte ich die Atmosphäre des Buches und das sehr bildliche Setting, welches mich direkt in die Story hineingezogen hat.

Ebenfalls fand ich die Charakterzeichnung sehr gelungen, auch wenn circa die Hälfte der auftretenden Personen eher unsympathisch war. Alle hatten das gewisse Etwas, waren authentisch und überzeugend. Im Mittelpunkt steht allerdings ohne jede Konkurrenz Mary, dieses ungestüme, offene und trotz aller Widrigkeiten immer fröhliche Mädchen, welches sich nicht unterkriegen lässt. Ich will ehrlich sein. Am Anfang hatte ich noch meine Probleme mit ihrer Offenheit, die manchmal auch etwas frech rüber kam. Doch von Seite zu Seite habe ich sie immer mehr in mein Herz geschlossen und ich wage zu behaupten, dass es selten solch außergewöhnliche Buchcharaktere wie sie gibt.

Für mich gehört dieser Roman auf jeden Fall zu denen, die man gelesen haben sollte. Er ist bewegend, aber ohne jede Sentimentalität geschrieben, nimmt den Leser jedoch von der ersten Seite an mit. Wen Marys Schicksal kalt lässt, dem ist meiner Meinung nach eindeutig nicht mehr zu helfen.