„Nach einem Drohnenkrieg hat sich Amerika in einen postapokalyptischen
Friedhof verwandelt: Wie fremdgesteuert streifen die Menschen durch ein
zerfallendes Land. Und während die alte Welt stirbt, erhebt sich etwas Neues
aus den Ruinen, das noch keinen Namen hat.
Mitten durch das Chaos bahnt sich eine junge Frau mit ihrem Roboter einen Weg
nach Westen. Sie will zu ihrem Bruder, der in einem kleinen Nest am
Pazifischen Ozean hilflos an das Virtual-Reality-Netz angeschlossen ist, das
sich wie eine Seuche ausgebreitet hat und die Menschen versklavt. Sie
unternimmt eine einsame Reise durch die Überreste unserer Zivilisation.“
- Beschreibung des Verlags -
Schon lange bin ich um die Bücher von Simon Stålenhag herumgeschlichen, aber
da sie nicht besonders günstig sind, fiel mir die Entscheidung nicht leicht,
obwohl mich seine Zeichnungen wahnsinnig interessiert haben. Nun endlich
musste ich aber zumindest dieses Buch haben und konnte mich auch nicht mehr
zurückhalten, es gleich zu lesen. Ich kann nur sagen, dass dem Autor und
Künstler hiermit ein wahres Meisterwerk gelungen ist, zumindest was die Bilder
angeht. Aber auch die Geschichte ist wirklich gut und schnell gelesen.
Dabei ist der Schreibstil des Autors im Großen und Ganzen ziemlich einfach
gehalten und gut verständlich, wobei es aber auch hier und da Texte gibt, die
recht tiefgründig und wissenschaftlich geschrieben sind.
Die großartigen, fotorealistischen Bilder sprechen eigentlich schon für sich,
sie sind düster, morbide, zum Teil ein bissen gruselig und irgendwie auch
melancholisch, wobei sich der Autor ganz oft dunkle Farben zu Nutze gemacht
hat. Doch selbst, wenn die Bilder recht freundlich und hell gehalten sind,
strahlen sie eine gewisse Trübsal aus.
Dazu passt dann auch die Geschichte, deren Inhalt eher wie Tagebucheinträge
wirkt. Darin erzählt die Protagonistin, welche Michelle heißt, wie man im
Laufe der Handlung erfährt, von ihrer Reise durch die zerstörte, irgendwie
ausgeartete Zivilisation. Mehr noch erfährt man aber von ihrer persönlichen
Vergangenheit, vom Krieg, von Familie oder so ähnlich und der Übernahme durch
eine hochentwickelte Technologie, welche die Menschheit mehr und mehr
zerstört. Dies alles klingt nach einem einfachen Science-Fiction Roman, wie
man ihn schon oft gelesen hat, ist es aber überhaupt nicht, denn diese
Geschichte wirkt, zusammen mit den beeindruckenden Bildern, einfach wahnsinnig
realistisch und beklemmend. Sie ist auf besondere Weise emotional und
verstörend und regt zum Nachdenken an, wenn man sich die Zeit nimmt, ein
bisschen zwischen den Zeilen zu lesen. Denn der wahre Schrecken steckt
irgendwo dort. Leider kam das Ende dann aber ein bisschen zu abrupt und die
Geschichte blieb offen. Ebenso hat mir teilweise hier und da auch der Bezug zu
den Bildern gefehlt. Dennoch ist die Geschichte einfach super und man denkt
noch lange darüber nach.
Und auch die Charaktere haben mir gut gefallen, obwohl man ja eigentlich nur
die Protagonistin direkt begleitet. Diese agiert auch nicht viel, fährt mit
dem Auto durch die Gegend und unterhält sich hier und da mit ihrem Begleiter,
der selbst nicht sprechen kann. Aber das passt einfach perfekt. Mehr braucht
das Buch nicht, denn vielmehr unterstützt die recht schlicht gehaltene
Charakterbildung noch die Atmosphäre des ganzen Buches. Dafür fand ich die
Nebencharaktere, welche auch nur nebenbei erwähnt wurden, um Michelles
Geschichte zu erzählen, richtig gelungen, denn gerade die Stiefeltern sind
Teil des Untergangs der Zivilisation.
Alles in allem ist dieses Buch ein Gesamtkunstwerk, welches man nicht einfach
nur liest und dann im Regal verstauben lässt. Vielmehr ist es ein Buch,
welches man immer wieder zur Hand nimmt, weil schon allein die Bilder in ihren
Bann zu ziehen wissen. Für alle Fans von morbider, fotorealistischer Kunst im
Genre Science Fiction ist dieses Buch sicherlich ein absolutes Highlight,
weshalb ich nur weiterempfehlen kann.